Marsa Alam - Sonne, Meer und Pampa

23.-30. April 2006





Reisebericht


Wie kamen wir auf Marsa Alam, eine südliche „Tourismus“region in Ägypten am Roten Meer? Diese Frage wurde uns desöfteren gestellt, und wer die Gegend kennt, weiß auch, warum. Unsere Kriterien für den 1-wöchigen Kurztrip waren klar: Nähe (ein 12-Stunden-Flug wäre kaum lohnenswert), eine schöne Schnorchel-/Badegegend mit hübscher Unterwasserwelt und ein ruhiges, kleines Hotel. Was uns schließlich zur Riff-Villa Samak in Marsa Alam/Ägypten brachte.

Die ganze Region Marsa Alam war etliche Kilometer lang, gerade erst im Begriff, für den Tourismus erschlossen zu werden, denn größere Hotelanlagen waren erst im Entstehen, und so reihten sich derzeit noch unfertige Gebäude aneinander, was in näherer oder fernerer Zukunft das nächste Sharm el Sheikh werden sollte. Die „Stadt“ stellte sich schließlich als ein kleines, touristisch noch eher unerschlossenes Dorf heraus, und unser ausgewähltes Hotel war ein reizendes Gästehaus und weit davon entfernt, italienische oder russische Touristenmassen wie die Hotelburgen viele Kilometer nördlich bzw. südlich zu beherbergen.

Ja, wir hatten Ruhe und Abgeschiedenheit erwartet, aber das verblüffte sogar uns. In der Gegend um das Dorf herum waren die Gäste der Riff-Villa (und natürlich deren sympathische Betreiber Karsten und Christina inklusive dem kleinen Luis und Tauchbegleiterin Anja) wohl die einzigen Europäer, und die Villa vermutlich die einzige Unterkunft in unmittelbarer Nähe. Nach einem gemütlichen Flug, der etwas über 3 Stunden dauerte und erst seit diesem Jahr eine Direktverbindung von Wien nach Marsa Alam darstellte, empfingen uns am Flughafen Sonne, warme Temperaturen – und Karsten. Der Flughafen selbst war erst ca. 5 Jahre alt, noch eher klein mit nur einem Gate, und man gelangte rasch zum Visum (derzeit EUR 14,--), Geldwechseln und zu seinem Gepäck. Die Fahrt mit Karsten, der uns schon am Ausgang erwartete, ging ca. 30 – 40 Minuten lang in den Süden, bis wir schließlich nach dem Dorf bei der Villa landeten. Da es ein kleines Mißverständnis bzgl. der Zimmer gab, wurden wir die erste Nacht im ruhigen, etwas abgeschiedeneren Kellerzimmer untergebracht, das eigentlich für zwei Gäste reserviert worden war, die ausdrücklich nach Ruhe verlangt hatten, und sollten für die nächste Nacht dann in das Honeymoon-Zimmer umquartiert werden.

Nach einem kurzem Beisammensitzen mit Karsten und Christina auf der Veranda der Villa, wo uns Magda, eines der einheimischen Mädels, die für die Küche verantwortlich sind, Snacks aufwartete, wollten wir gleich mal das Hausriff testen, wo wir auch sofort auf einen Rochen trafen. Leider blieb er unfotografiert, da wir diesmal das Unterwassergehäuse ohne Kamera mal austesteten. Schon das Hausriff war unglaublich farbenprächtig und überraschte uns mit einer wirklich verblüffenden Fischevielfalt.

Die erste Nacht in der Villa war etwas unruhig, was im Prinzip verschiedene Ursachen hatte: Zum einen gab es in unserem „Übergangs“-Zimmer keine Klimaanlage o.ä., und das Fenster hatten wir aus Moskito-Gründen geschlossen (was aber völlig gleichgültig war, weil die Moskitos trotzdem um uns herum waren – erst am nächsten Tag erfuhren wir, daß sie sich tagsüber gerne unter dem Bett oder hinter Schränken verstecken). Außerdem „besuchte“ uns der Baby-Haushund Wolf (ja, so heißt er, wird aber wegen seiner jungen Jahren noch liebevoll Wölfchen genannt), der mit herzerweichendem Gejammer unbedingt um Einlaß bettelte. Gegen Morgen wurden auch die extrem lästigen Fliegen aktiv, die mit ihrem nervigen Gesumme unsere Ruhe störten. Jedenfalls lernten wir wertvolle Lektionen, die das Leben auch ohne Moskitonetz sehr erleichtern können:

1. Das Zimmer am Abend einem Giftgas-Anschlag unterziehen, insbesondere auch unter die Betten und hinter Kästen, Schränke etc. sprühen.
2. Sich selbst einsprühen (aber bitte den dafür eigens gedachten Spray verwenden)!
3. Teebaumöl hilft wirklich, wenn man beulengroße Moskitostiche bekommt. Und außerdem stinkt es dermaßen, daß es zumindest für einige Zeit die Moskitos fernhält.
4. Das jammernde Wölfchen des Nachts nicht für einen streunenden, mega-gefährlichen, tollwütigen und bissigen Wildhund zu halten, der sich auf Tuchfühlung begeben will.

Die folgenden Tage bestanden aus einem wunderbar geregelten Rhythmus: Frühstück – Schnorcheln – Mittagessen – Schnorcheln – Abendessen – Tratsch auf der Terrasse – Schlafen. Obwohl wir als Nicht-Taucher eigentlich die totalen Outsider waren, zumal alle anderen um uns herum Taucher waren, war es dennoch kein Problem, bei allen Ausflügen dabei zu sein. Mit geliehenen Shortys (das Tauch-Equipment der Villa ist klasse – irgendetwas passt immer; auch von der Logistik her ist es sehr praktisch: genug Platz, um Anzüge und anderes Equipment zu trocknen, eigenes Becken zum Waschen der Sachen etc.) gingen wir eben als Schnorchler auf Entdeckungsreise. Die Planung war perfekt: ein Pick-up, der mit sämtlichem Equipment beladen wurde, und je nach Auslastung ein zusätzliches Auto (ein uralter Peugeot, unsere „Diesel-Condition“ – der im Inneren beim Fahren und ganz besonders beim Tanken derart nach Diesel stank, als würde man den Zapfhahn im Fenster hängen haben) bzw. ein Mini-Bus. Letzteren brauchten wir erst einige Tage später, als eine Horde (ca. 8 Stück) Schweizer Taucher einfiel, was den bis dato sehr ruhigen Tagesablauf in der Villa ein wenig aufmischte.

Die vielen unterschiedlichen Buchten, die angesteuert wurden, lagen zum Großteil in einem Umkreis von wenigen Kilometern, sodaß wir meistens nur 10-15 Minuten unterwegs waren. Einzig zu den Buchten unserer beiden Tagesausflüge fuhren wir etwas länger. Die Strände waren meist Sandstrände, einmal sogar wunderschöner weißer Sandstrand, und die Unterwasserwelt um die Riffs herum überall super abwechslungsreich, sodaß wir als Schnorchler bei fast jedem Tauchausflug dabei waren (nur die Nachttauchgänge ließen wir aus). Außer ein paar Tauchergruppen zwischendurch waren die meisten Buchten sehr ruhig, nur selten gab es ein paar Touristen, die am Strand lagen.

Auch die beiden Tagesausflüge waren sehr gelungen. Der erste führte uns mit einem Boot zum Dolphinhouse hinaus, wo wir den ganzen Tag verbrachten und wir Schnorchler (wir zwei + Antje aus Potsdam) das Privileg hatten, nicht nur inmitten eines Rudel Delphine um die Wette zu schwimmen, sondern auch einen Weißspitzen-Riffhai zu beobachten, der 2-3 Meter unter uns am Riff entlang schwamm. Der Kapitän des Bootes selbst ließ es sich nicht nehmen, die Schnorchel-Ausflüge mit uns gemeinsam zu machen und uns die Unterwasserwelt zu zeigen. Besonders beim zweiten Schnorchel-Gang führte er uns in einem Affenzahn durch die Riffs, sodaß wir nach einer Stunde vollkommen erledigt aus dem Wasser krabbelten. Auch die Zeit an Bord war gemütlich – wenn man nicht gerade schnorchelte/tauchte, lag man gemütlich an Deck bzw. nach beiden Tauchgängen gab es ein feines Buffet, wo für jeden Geschmack etwas dabei war. Ein Ausflug, der unbedingt auf dem Programm stehen sollte!

Beim zweiten Ausflug ging es nach Marsa Makhrub, einem Traumstrand im Süden, sehr weitläufig, feiner weißer Sandstrand, der sich nicht nur zum Besichtigen der Unterwasserwelt, sondern auch zum gemütlichen Relaxen in der Sonne eignet. Im Beduinenzelt, welches ebenfalls am Strand liegt, hatten wir auch ausreichend Schatten und konnten dort unser Mittagsbuffet genießen. Und als die Reisegruppe italienischer Touristen mit ihren Schirmchen (die sowohl vom Schatten als auch von unserem Buffet im Beduinenzelt natürlich ausgeschlossen waren) um Mittag herum von ihrem Bus abtransportiert wurde, war es auch richtig einsam, und der Strand gehörte bis zur Abfahrt uns ganz alleine.

An unserem letzten Abend gab es übrigens ein echt ägyptisches Essen im Dorf, wo wir mit allerlei Spezialitäten (von Kebab-Fleisch und Fuul bis hin zu feinen Saucen, nämlich Dim'a misabbika/Tomatensauce, Salatet Tahina/Sesampasten-Sauce, oder Ta'leya/Knoblauchsauce) vollgestopft wurden. Das Dorf selbst ist noch derart untouristisch, daß einem die Leute noch neugierig anstarren, wenn man abends durchspaziert, und daß in einigen kleinen Geschäften extra noch mal Licht gemacht wird, wenn es sich herumspricht, daß Touristen in der Gegend sind. Einkaufsmeilen wie in Hurghada oder Safaga sind hier (noch!) ein Fremdwort, aber angesichts dessen, was hier so an Hotels gebaut wird, wird es das nicht mehr lange sein. Wenn man also etwas Untouristisches und Authentisches am Roten Meer in Ägpyten sucht, dann sollte man sich noch rasch nach Marsa Alam beeilen, denn – laut Aussage von Karsten – wird das in zwei Jahren vorbei sein.

Obwohl sich unser Urlaub insgesamt eigentlich anders gestaltete, als wir erwartet hatten, waren wir sofort von der Freundlichkeit unserer Gastgeber, der wunderschönen Riffs samt den Fischen herum und dem herrlichen Meer begeistert. April war eine sehr angenehme Reisezeit, das Meer hatte schon um 25 Grad, die Lufttemperatur schwankte um die 30 Grad – also konnte man es gut aushalten und brauchte in der Nacht, wo es doch merklich abkühlte, noch keine Klimaanlage. Eine dünne Jacke am Abend machte sich aber doch bezahlt – und selbst wenn es nur darum ging, die blöden Moskitos davon abzuhalten, die Arme zu durchlöchern. Unser Dank geht jedenfalls an Christina und Karsten und das ganze Team der Riff-Villa, die uns schon nach einer Woche davon überzeugen konnten, daß wir wiederkommen werden.

Fotos unter: Unterwasserwelt und Riffs



Riff-Villa Samak


Die Villa und Tauchen

Gleich vorweg: Leute, die nichts mit Tauchen bzw. Schnorcheln und der Unterwasserwelt am Hut haben, könnten sich womöglich nicht ganz so wohl fühlen, zumal die Villa fast ausschließlich Tauchergäste beherbergt, deren Hauptthemen natürlich die Fische und das Tauchen an sich sind. Wir hatten jedoch viel Spaß dabei und wurden auch insoweit vom Tauchervirus angesteckt, als daß Felix einen Schnupper-Tauchgang (der übrigens von der Villa kostenfrei allen Taucherneulingen angeboten wird, um ihnen auch mal die Möglichkeit zu geben, die Unterwasserwelt aus der Sicht eines Tauchers zu erleben) in 4,5 m Tiefe mit Christina unternahm – ich mußte leider aus ohrentechnischen Gründen ablehnen. Taucher sind jedenfalls in der Villa bestens aufgehoben und von jeder Menge Gleichgesinnter umgeben. Die Ausrüstung ist tadellos, und selbst, wenn man kein eigenes Equipment mit hat (oder erst vor Ort einen ersten Taucherkurs machen möchte), gibt es genug Auswahl, um etwas Passendes zu finden. Der Transport zu den Buchten funktioniert einwandfrei, und man kann sich auch kurzfristig entscheiden, ob man mitfahren möchte. (Für Schnorchler ist das Mitfahren außer bei Tagesausflügen übrigens gratis – Taucher buchen meistens ohnehin das Taucherpacket, wo alles inkludiert ist.) Die Tauchguides, neben Christina als Tauchlehrerin gab es noch Anja aus Deutschland und Islam aus der Marsa Alam selbst (beide Divemasters ihres Zeichens), waren immer einsatzbereit – auch dann, wenn es darum ging, auf der Terrasse oder am Lagerfeuer vor der Villa abends noch nett zu quatschen oder einen Ausflug ins Dorf zu machen.

Die Villa selbst

Die Villa ist vor nicht allzu langer Zeit mit Handwerkern aus der Umgebung erbaut worden, und es wird penibel auf Sauberkeit geachtet. Insgesamt gibt es in der Villa selbst drei Zimmer (2 Doppelzimmer mit der Möglichkeit, ein weiteres Bett reinzutellen, und einem Zimmer mit Schlafgelegenheiten für bis zu 6 Personen) und einem Kellerzimmer. Die Badezimmer sind groß, einfach, aber zweckmäßig eingerichtet, wobei das Kellerzimmer und das große Zimmer oben ein eigenes haben und die beiden Doppelzimmer sich eines teilen. Der Wasserdruck in den Badezimmern in der Villa selbst ist tadellos, nur im Kellerzimmer (durch den weiten Weg vom Wassertank hinunter) ist der Druck in der Dusche sehr gering. D.h. wenn man sich gerne mit fließendem Wasser duscht, lohnt es sich, ein Zimmer oben zu nehmen. Für die Steckdosen braucht man übrigens keinen Adapter.

Die Villa und das Essen

Im nachhinein waren wir froh, daß wir Vollpension gebucht hatten, nachdem es in der Umgebung quasi nichts zum Einkaufen gibt. Dafür ist das Essen in der Villa immer fein und mehr als genug. Zum Frühstück gab es immer Tee/Kaffee (letzterer nur Instant), Limonensaft, ab und zu auch Bananenmilch, Obst (Bananen, Melonen, Orangen), Wurst, verschiedene Marmeladensorten, Cornflakes, Eier, diverse Käsesorten, auch Nutella und als Brot entweder selbstgebackenes dunkles Brot oder das übliche Fladenbrot (täglich frisch). In der Woche, in der wir dort waren, hatten wir mittags und abends immer unterschiedliches Essen, das immer in Buffet-Form angerichtet wird. Obwohl das Dorf selbst wenige Einkaufsmöglichkeiten bietet und Karsten deshalb die Zutaten immer in Hurghada einkaufen muß, waren Mittag- und Abendessen nie eintönig und schmeckten immer sehr lecker. Und das beste: Nach dem Abendessen gab es immer ein tolles Dessert (z.B. hatten wir selbstgemachtes Mango-Eis, Guavesaft, Creme Caramel, Orangenkuchen etc.). Im Essenszimmer gibt es einen Wasserkocher, wo man sich tagsüber immer Tee und Kaffee machen konnte, außerdem gab es nachmittags immer kleine Snacks und Obst. Der Kühlschrank auf der Terrasse war immer gefüllt mit Hibiskusblütentee-Flaschen, der auch gratis war. Pro Tag war übrigens eine Menge von 1,5 L Wasser pro Person im Zimmerpreis inbegriffen, 1,5 L zusätzlich kosteten EUR 1,--. Wenn man zusätzliche Essenswünsche hatte, brauchte man einfach Karsten Bescheid zu sagen, der beim nächsten Einkauf in Hurghada das gleich mitbesorgte.

Fotos unter: Impressionen von Ägypten



Ausflüge


  • 23. April: Schnorcheln am Hausriff der Villa (Highlight: Rochen)
  • 24. April: Vormittag: Marsa Igla, Nachmittag: Gabel el Rossas
  • 25. April: Vormittag: Marsa Samadai, Nachmittag: Marsa Assalaya
  • 26. April: Tagesausflug zum Dophinhouse per Boot (Highlight: Rudel Delphine, Weißspitzenriffhai)
  • 27. April: Vormittag: Marsa Assalaya
  • 28. April: Tagesausflug zur Bucht Marsa Makhrub (Highlight: Muräne beim Fressen)
  • 29. April: Vormittag: Gabel el Rossas


    Landkarte Ägypten mit Region Marsa Alam




Wichtige Links:

Riff-Villa Samak
Weitere Infos zur Villa
Marsa Alam als Taucherziel
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